Umfeld- und Branchenrisiken und -chancen

Die Umfeld- und Branchenrisiken und -chancen des Daimler-Konzerns werden nachfolgend näher erläutert. Eine Quantifizierung dieser Risiken und Chancen ist in Tabelle B.55 dargestellt.

B.55

Umfeld- und Branchenrisiken/-chancen
Risikokategorie Eintrittswahrscheinlichkeit Ausmaß Chancenkategorie Ausmaß
         
Allgemeine Marktrisiken mittel hoch Allgemeine Marktchancen mittel
Risiken in Verbindung mit der Leasing- und Absatzfinanzierung niedrig niedrig Chancen in Verbindung mit der Leasing- und Absatzfinanzierung niedrig
Risiken aus dem Beschaffungsmarkt mittel hoch Chancen aus dem Beschaffungsmarkt niedrig
Risiken infolge gesetzlicher und politischer Rahmenbedingungen mittel hoch Chancen infolge gesetzlicher und politischer Rahmenbedingungen niedrig

Volkswirtschaftliche Risiken und Chancen. Volkswirtschaftliche Risiken und Chancen stellen Rahmenbedingungen für die in den nachfolgenden Kategorien genannten Risiken und Chancen dar und fließen als Prämissen in die Quantifizierung dieser Risiken und Chancen ein. Der gesamtwirtschaftliche Rahmen hat maßgeblichen Einfluss auf die automobilen Absatzmärkte, deren Entwicklung zu den größten Risiken und Chancen des Konzerns zählt.

Wie die Mehrzahl der Wirtschaftsforschungsinstitute erwartet Daimler für die Weltwirtschaft in 2015 eine leichte Beschleunigung des Wachstums. Der letztjährige Konjunkturverlauf ist im Kapitel »Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Geschäftsverlauf« dieses Lageberichts ausführlich beschrieben; die Wachstumsannahmen für 2015 werden im »Prognosebericht« erörtert.

Die volkswirtschaftlichen Risiken und Chancen sind an Annahmen und Prognosen über die Gesamtentwicklung der Einzelthemen gekoppelt. Insgesamt haben sich die volkswirtschaftlichen Risiken für das Geschäftsumfeld im Vergleich zum Vorjahr tendenziell eher leicht erhöht, und die Chancen für eine Verbesserung der Weltwirtschaft sind leicht gesunken.

Für die Entwicklung der US-amerikanischen Wirtschaft wird entscheidend sein, wie der weitere Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik gelingt und ob Investoren und Konsumenten wie erhofft das Wachstumstempo beleben. Nach einer derart langen Phase mit extrem niedrigen Zinsen könnten Zinserhöhungen einen tief greifenden Effekt auf die wirtschaftliche Erholung haben und die Wachstumsdynamik schwächen. Dies gilt unter anderem auch für die Erholung des Immobilienmarktes. Die US-Notenbank (Fed) könnte zwar versuchen, geldpolitisch gegenzusteuern, allerdings hat sie wenig Gestaltungsspielraum, sodass die Wirksamkeit möglicher Maßnahmen begrenzt bliebe. Da der Daimler-Konzern insbesondere in den Geschäftsfeldern Mercedes-Benz Cars und Daimler Trucks einen beträchtlichen Teil seines Absatzes in den USA erzielt und sich eine solche geringere Wachstumsdynamik auch auf andere Regionen übertragen könnte, hätte ein solches Ereignis erhebliche Konsequenzen. Sollte es in den USA dagegen zu einer Investitionstätigkeit kommen, die dynamischer ist als bislang unterstellt, könnte sich erheblich kräftigeres Wachstum ergeben. Da damit auch vermehrte Beschäftigungs- und Einkommenseffekte verbunden wären, würde die Nachfrage in den automobilen Geschäftsfeldern davon profitieren.

Falls in den Ländern der Europäischen Währungsunion (EWU) die weiterhin notwendige Konsolidierung der öffentlichen Haushalte sowie die Reformbemühungen nicht weiter fortgesetzt werden sollten, könnte dies an den Finanzmärkten für erneute Unruhe sorgen, die Refinanzierungskosten über steigende Kapitalmarktzinsen erhöhen und somit die ohnehin fragile konjunkturelle Erholung gefährden. Weitere Auswirkungen könnte die zuletzt wieder aufgeflammte Diskussion um einen Austritt Griechenlands auslösen; diese könnte zu noch größerer Unsicherheit und Volatilität an den Finanzmärkten führen. Darüber hinaus birgt die extrem niedrige Inflationsrate ein weiteres Risiko: Ein dauerhafter und auf breiter Basis angelegter Preisrückgang würde die konjunkturelle Erholung der EWU erheblich gefährden und dafür sorgen, dass es für die hoch verschuldeten Länder der Eurozone noch schwieriger würde, die Finanzierbarkeit ihrer Schuldenlast sicherzustellen. Der europäische Markt ist für Daimler über alle Geschäftsfelder hinweg auch künftig von großer Bedeutung; für die Geschäftsfelder Mercedes-Benz Cars und Mercedes-Benz Vans ist dies weiterhin sogar der bedeutendste Absatzmarkt. Eine nur schwer einzuschätzende Chance ist in einer deutlich besseren wirtschaftlichen Entwicklung in der Eurozone zu sehen. Sollten entgegen derzeitigen Erwartungen Länder wie Italien und Frankreich zügig und entschlossen Reformen auf den Weg bringen, könnte auch das Wirtschaftswachstum kräftiger ausfallen; dies käme der Investitionsentwicklung und der automobilen Nachfrage auf dem wichtigen europäischen Markt zugute.

Eine Risikoquelle für eine markante Wachstumseintrübung in Japan, nämlich der zweite Schritt der Mehrwertsteuererhöhung von 8 auf 10 %, der für Oktober 2015 geplant war, wurde bereits Ende 2014 durch die Verschiebung auf das Jahr 2017 beseitigt. Abgesehen davon könnten ein Scheitern der expansiven Geld- und Fiskalpolitik sowie fehlende Strukturreformen eine Wachstumsverlangsamung auslösen. Dies ist aber eher nur als ein regional begrenztes Risiko anzusehen. Eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums könnte eine verringerte Nachfrage nach Pkw und Lkw nach sich ziehen. Als Folge könnten die Geschäftsfelder Mercedes-Benz Cars und Daimler Trucks negativ betroffen sein, für die Japan einen wichtigen Absatzmarkt darstellt. Eine regional begrenzte Chance besteht in einer markanten Beschleunigung des Wirtschaftswachstums in Japan. Ursache hierfür könnte ein deutlicher Anstieg der Investitionstätigkeit sein, der sich unmittelbar als Folge der angestrebten Strukturreformen und der schon eingeleiteten expansiven Geld- und Fiskalpolitik ergeben könnte. An dieser positiven Entwicklung könnten die Geschäftsfelder Mercedes-Benz Cars und Daimler Trucks wiederum partizipieren.

Aufgrund der in den vergangenen Jahren deutlich gewachsenen Bedeutung ist in einem konjunkturellen Einbruch der chinesischen Wirtschaft ein erhebliches Risiko für die Weltwirtschaft zu sehen. Durch das extrem hohe Niveau der gesamtwirtschaftlichen Verschuldung und der Bauinvestitionen ist das Risiko einer abrupten Korrektur auf dem Immobilienmarkt oder einer Bankenkrise deutlich erhöht. Insbesondere für die Sparten Mercedes-Benz Cars und Mercedes-Benz Vans, für die China inzwischen ein bedeutender Absatzmarkt ist, könnte hierdurch der angestrebte Absatzzuwachs geringer ausfallen. Hingegen sehen wir in einer noch kräftigeren Entwicklung der chinesischen Wirtschaft eine weitere Chance. Auslöser eines solchen Ereignisses wäre eine rasche Wirkung der Reformmaßnahmen, begleitet von einem anziehenden Konsum. Der höhere Zuwachs beim gesamtwirtschaftlichen Konsum bietet als Folge weitere Chancen für die oben genannten Geschäftsfelder.

Ein weiteres Risiko ist in einer neuerlichen Wachstumsabschwächung wichtiger Schwellenländer zu erkennen. Schon 2013 und 2014 enttäuschten insbesondere große Volkswirtschaften wie Russland, Brasilien und Indien, aber auch Länder wie Indonesien oder die Türkei entwickelten sich unterhalb ihrer Möglichkeiten. Eine Kombination aus schwachem Wachstum und hohen Zinsen erhöht das Risiko für einen Anstieg der Kreditausfälle, vor allem vor dem Hintergrund des teils markanten Kreditwachstums der vergangenen Jahre. Da Daimler in diesen Ländern jedoch entweder schon sehr aktiv ist beziehungsweise diese Märkte eine strategische Rolle spielen, wäre ein solches Ereignis risikobehaftet. Eine Chance ist in spürbaren Reformumsetzungen wichtiger Schwellenländer zu erkennen. Sollten strukturelle Reformen gerade in Ländern wie Indien, Russland und Brasilien schnell und konsequent angegangen werden, würden globale Kapitalzuflüsse in diese Länder wieder zunehmen und somit auch neue Wachstumsspielräume entstehen.

Mit dem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine belastet seit 2014 ein zusätzliches Risiko die Entwicklung der Weltwirtschaft, das die makroökonomische Unsicherheit erhöht und sich negativ auf Geschäftsklima und Verbrauchervertrauen auswirkt. Eine Eskalation der Krise und die daraus resultierende Verschärfung von Sanktionen und Gegensanktionen hätten massive negative Auswirkungen auf die Konjunktur vor allem in Europa, deren Ausmaß schwer abzuschätzen ist. Auch Auswirkungen auf den Ölpreis in Form einer höheren Risikoprämie sind denkbar und würden Stimmung und Nachfrage in erdölabhängigen Ländern belasten. Nicht abzusehen sind ferner die Folgen eines möglichen Zahlungsausfalls Russlands beziehungsweise des Nicht-Bedienens von fälligen Schulden.

Der Konflikt in Syrien, verstärkt durch die Offensive des »Islamischen Staats« (IS), gefährdet die Stabilität in der Region, vor allem auch im Nachbarland Irak. Auch wenn sich der Großteil der irakischen Ölproduktion außerhalb der von IS kontrollierten Regionen befindet, bleiben Sorgen über mögliche Störungen der irakischen Öllieferungen oder ein weiteres Übergreifen des bewaffneten Konflikts in Syrien. Sollten die Ölpreise infolge eines Angriffs auf die Ölförderanlagen abrupt steigen, könnte das die Erholung in fragilen Volkswirtschaften Europas oder in den USA gefährden und von Ölimporten abhängige Schwellenländer belasten. Auf den Aktienmärkten wären die Effekte ebenfalls spürbar, was Investitionen und Verbrauchervertrauen auf breiter Basis untergraben könnte. Sollten die Ölpreise allerdings für längere Zeit auf so niedrigen Niveaus bleiben, verbindet sich damit für die Weltwirtschaft aufgrund des Kaufkraftgewinns in Summe eine beträchtliche Wachstumschance.

Des Weiteren könnte eine zu rasche Zinserhöhung in den USA sich nicht nur dort negativ auswirken, sondern auch in den anfälligen Schwellenländern für einen erneuten »Ausverkauf« an den Aktienmärkten sorgen. Schon im Jahresverlauf 2014 hatte das Zurückfahren von Anleihekäufen der amerikanischen Notenbank für Unruhen an den Finanzmärkten gesorgt. Die Langfristzinsen zogen an, und in den Schwellenländern kam es zu Kapitalabflüssen und Währungsabwertungen. Daraus resultierte ferner in einigen Ländern ein zusätzlicher Inflationsdruck, der in Verbindung mit einer restriktiveren Zinspolitik den Wachstumsspielraum eindämmte. Käme es im Zuge der möglichen Verringerung der Liquidität in den USA im Jahr 2015 zu noch deutlicheren Auswirkungen, könnte dies über die beschriebene Wirkungskette die gesamtwirtschaftlichen Zuwachsraten gerade in den Schwellenländern merklich verringern. Die höhere Volatilität an den Finanzmärkten würde zudem das Vertrauen von Investoren und Konsumenten dämpfen und somit auch die globale Konjunktur beeinträchtigen. Außerdem könnten Spannungen aufgrund der Volatilität der Wechselkurse und möglicher Manipulationen zur Wahrung der globalen Wettbewerbsfähigkeit zu einem Anstieg protektionistischer Maßnahmen und einer Art »Abwertungsrennen« führen. Dies würde den Welthandel deutlich belasten und künftiges Wachstum gefährden.

Allgemeine Marktrisiken und -chancen. Risiken und Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung auf den Automobilmärkten sind maßgeblich durch die in den vorhergehenden Absätzen beschriebene konjunkturelle Lage der Weltwirtschaft beeinflusst.

Die Bewertung marktwirtschaftlicher Risiken und Chancen ist an Annahmen und Prognosen über die Gesamtmarktentwicklung in den einzelnen Regionen gekoppelt. Die potenziellen Auswirkungen der Risiken auf die Absatzentwicklung des Daimler-Konzerns werden in Risikoszenarien erfasst. Die Gefahr sich schlechter entwickelnder Märkte oder sich verändernder Marktbedingungen, insbesondere aufgrund des makroökonomischen Umfelds sowie politischer oder wirtschaftlicher Unsicherheiten, besteht grundsätzlich für alle Geschäftsfelder des Daimler-Konzerns. Unterschiede zwischen den Geschäftsfeldern gibt es lediglich aufgrund der teilweise abweichenden regionalen Schwerpunkte in der Tätigkeit der einzelnen Segmente. Märkte und Wettbewerber werden kontinuierlich analysiert und überwacht; gegebenenfalls werden spezifische Marketing- und Vertriebsprogramme aufgesetzt. Infolge des Wettbewerbsdrucks auf den Automobilmärkten werden die Produktions- und Kostenstrukturen laufend an sich verändernde Rahmenbedingungen angepasst. Für alle Geschäftsfelder sind klare Strategien formuliert. Jedes Geschäftsfeld verfolgt dabei konsequent das Ziel, profitabel zu wachsen und die Effizienz zu steigern.

Aufgrund der zum Teil angespannten wirtschaftlichen Lage einiger Händler und Fahrzeugimporteure könnten Unterstützungsleistungen notwendig werden. Diese würden die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage der automobilen Geschäftsfelder belasten. Daher wird die finanzielle Lage strategisch relevanter Händler und Fahrzeugimporteure kontinuierlich überwacht.

Zusätzlich zu diesen segmentübergreifenden Themen gibt es segmentspezifische Risikofelder. Hierzu gehören in den Geschäftsfeldern Mercedes-Benz Cars und Daimler Trucks der zunehmende Wettbewerbs- und Preisdruck. Wechsel im Rahmen eines Produktlebenszyklus bergen bezüglich der erwarteten Absatzvolumina die Gefahr negativer Volumeneffekte. Zudem können aufgrund einer aggressiven Preispolitik, der Einführung neuer Produkte durch Wettbewerber oder des Preisdrucks in Bezug auf das After-Sales-Geschäft gegebenenfalls Preise nicht wie erwartet durchgesetzt werden. Gleiches gilt in geringerem Umfang entsprechend für das Absatzvolumen der Geschäftsfelder Mercedes-Benz Vans und Daimler Buses. Je nach Ausprägung des regionalen Absatzes werden unterschiedliche Maßnahmen ergriffen, um absatzschwächere Märkte zu unterstützen. Hierzu gehören beispielsweise die Nutzung neuer Vertriebskanäle, Maßnahmen zur Stärkung des Markenbewusstseins und der Markentreue sowie Verkaufs- und Marketingaktionen. Diese Maßnahmen werden auch auf die Absicherung der Geschäfte im Bereich After Sales angewendet. Zudem setzt Daimler unterschiedliche Programme zur Verkaufsförderung ein. Diese Programme umfassen finanzielle Anreize für Kunden. Entsprechende Maßnahmen zur Unterstützung des Segmentabsatzes würden sich nachteilig auf die erwarteten Erträge auswirken.

Weitere Risiken und Chancen bei Mercedes-Benz Cars betreffen die Entwicklung der Gebrauchtwagenmärkte. Im Rahmen des etablierten Restwertmanagementprozesses werden auf lokaler und zentraler Ebene regelmäßig bestimmte Annahmen über das erwartete Preisniveau getroffen, auf deren Basis die Rückläufe aus Leasinggeschäften bewertet werden. Sollte aufgrund allgemeiner Marktentwicklungen eine negative beziehungsweise positive Abweichung von den Annahmen eintreten, besteht das Risiko schlechterer beziehungsweise die Chance besserer Fahrzeugrestwerte von Gebrauchtwagen. Die Maßnahmen umfassen je nach Region und aktueller Marktlage grundsätzlich die kontinuierliche Marktüberwachung sowie gegebenenfalls Preissetzungsstrategien oder absatzfördernde Maßnahmen zur Regulierung der Fahrzeugbestände. Die Prognosequalität der Markteinschätzung wird durch regelmäßige Vergleiche von internen und externen Quellen verifiziert; und die Restwertsetzung wird bei Bedarf angepasst sowie methodisch, prozessual und systemseitig weiterentwickelt.

Da die Zielerreichung des Geschäftsfelds Daimler Financial Services eng mit dem Geschäftsverlauf der automobilen Geschäftsfelder verbunden ist, spiegeln sich bestehende Volumenrisiken und -chancen auch im Segment Daimler Financial Services wider. Daimler Financial Services beteiligt sich in diesem Zusammenhang an Marketingaufwendungen, insbesondere für Werbemaßnahmen in den Medien.

Grundsätzlich besteht auch die Möglichkeit, dass sich der Gesamtmarkt oder regionale Rahmenbedingungen für die Automobilindustrie besser entwickeln, als in den internen Prognosen, die der Zielplanung des Unternehmens zugrunde liegen, angenommen wird. Hierzu zählen positive Abweichungen von Planungsprämissen, zum Beispiel indem geplante absatzfördernde Maßnahmen nicht ausgeschöpft werden müssen. Weitere Chancen können durch den Aufbau zusätzlicher Produktionskapazitäten in den Geschäftsfeldern erreicht werden. Die bestehenden Marktchancen der Geschäftsfelder des Daimler-Konzerns können nur genutzt werden, wenn die Produktion hierauf ausgerichtet und die Lücken zwischen Nachfrage und Angebot rechtzeitig erkannt und abgedeckt werden können. Es könnte hierfür nötig sein, den Produktionsumfang zu erhöhen. Das Geschäftsfeld Mercedes-Benz Cars sieht die Möglichkeit einer Marktchance für den Absatz von weiteren Fahrzeugen unterschiedlicher Baureihen. Durch eine verbesserte Marktentwicklung oder eine Veränderung der Rahmenbedingungen im Markt existiert im Segment Daimler Trucks die Möglichkeit höherer Absätze an Fahrzeugen. Weitere Marktchancen werden auch durch Daimler Buses erkannt. Die durch den Daimler-Konzern initiierbaren Maßnahmen zur Nutzung des Chancenpotenzials umfassen eine Kombination aus dezentralen Vertriebs- und Marketingaktionen und zentraler, strategischer Produkt- und Kapazitätsplanung.

Die Risikosituation, bezogen auf allgemeine Marktrisiken, ist im Vergleich zum Vorjahr bei Ausmaß und Eintrittswahrscheinlichkeit unverändert. Aufgrund der Realisierung von im Vorjahr angegebenen Chancen im Rahmen der aktuellen Geschäftstätigkeit wird das Ausmaß der Chancen im Vergleich zum Vorjahr etwas geringer eingestuft.

Risiken und Chancen im Zusammenhang mit dem Leasing- und Absatzfinanzierungsgeschäft. Im Zusammenhang mit der Veräußerung von Fahrzeugen bietet Daimler seinen Kunden auch vielfältige Finanzierungsmöglichkeiten an – vor allem die Finanzierung von Konzernprodukten oder das Leasing. Die daraus resultierenden Risiken für das Segment Daimler Financial Services liegen vor allem in einer Verschlechterung der Kreditqualität der Kreditnehmer, sodass Forderungen aufgrund der Zahlungsunfähigkeit von Kunden ganz oder teilweise uneinbringlich werden (Adressenausfall- oder Kreditrisiko). Daimler begegnet den Kreditrisiken mit entsprechenden Marktanalysen, Bonitätsprüfungen auf Basis standardisierter Scoring- und Ratingverfahren und Besicherungen der Forderungen. Sonstige Risiken im Zusammenhang mit dem Leasing- und Absatzfinanzierungsgeschäft betreffen mögliche höhere Refinanzierungskosten infolge von Zinsänderungen. Bei einer Anpassung der Kreditkonditionen für Kunden im Leasing- und Absatzfinanzierungsgeschäft aufgrund höherer Refinanzierungskosten können sich das Neugeschäft und das Vertragsvolumen von Daimler Financial Services und auch der Absatz der automobilen Geschäftsfelder verringern. Risiken und Chancen ergeben sich zudem aus einer nicht fristenkongruenten Refinanzierung. Durch eine auf die Laufzeiten der Finanzierungsverträge abgestimmte Refinanzierung wird das Risiko der Fristeninkongruenz sowohl unter Zins-als auch unter Liquiditätsgesichtspunkten minimiert. Verbleibende Zinsänderungsrisiken werden durch den Einsatz derivativer Finanzins-trumente gesteuert. Weitere Informationen zum Kreditrisiko und zu den risikobegrenzenden Maßnahmen des Konzerns können der Anmerkung 32 des Konzernanhangs entnommen werden. Darüber hinaus resultieren aus dem Leasinggeschäft die in den Risiken zur Entwicklung der Gebrauchtwagenmärkte beschriebenen Restwertrisiken für die automobilen Geschäftsfelder.

Beschaffungsmarktrisiken und -chancen. Die Konzernrisiken auf der Beschaffungsseite ergeben sich für die automobilen Geschäftsfelder insbesondere aus den Preisschwankungen bei Rohstoffen. Daneben bestehen in geringerem Umfang Risiken aus der Abhängigkeit von bestimmten Materialien sowie aus Kapazitätsengpässen durch den Ausfall von Lieferanten. Insgesamt hat sich das Ausmaß der Risiken in Bezug auf den Beschaffungmarkt insbesondere infolge möglicher Verteuerungen der Rohmaterialpreise von »mittel« auf »hoch« verändert. Chancen auf den Rohmaterialmärkten werden wie im Vorjahr nur in geringem Umfang erwartet.

Die Rohmaterialpreise entwickelten sich im Geschäftsjahr 2014 insgesamt uneinheitlich und waren von hoher Volatilität geprägt. Aufgrund von weitestgehend unveränderten makroökonomischen Rahmenbedingungen erwarten wir in naher Zukunft Preisschwankungen mit unsicheren und uneinheitlichen Trends. Auf der einen Seite gehen markante Einflüsse auf die Rohstoffmärkte von politischen Krisen und Unsicherheiten – verbunden mit möglichen Versorgungsengpässen – sowie von der volatilen Nachfrage nach vereinzelten Rohmaterialien aus. Auf der anderen Seite wirken sowohl die spürbar geringere Dynamik der chinesischen Industrie als auch das bislang erneut leicht unterdurchschnittliche Wachstum der Weltwirtschaft entgegen. Generell sind der Weitergabe der Rohstoff- und Materialverteuerungen über höhere Preise für die hergestellten Fahrzeuge enge Grenzen gesetzt, da auf den internationalen Automobilmärkten ein ausgeprägter Konkurrenzdruck herrscht.

Ein drastischer Anstieg der Rohstoffpreise wäre zumindest temporär mit einer beträchtlichen konjunkturellen Wachstumseinbuße verbunden.

Daimler begegnet den Risiken auf der Beschaffungsseite weiterhin mit einem gezielten Material- und Lieferantenrisikomanagement. Im Rahmen des Materialmanagements versuchen wir unter anderem, durch technologische Fortschritte die Abhängigkeiten von einzelnen Materialien zu reduzieren. Gegen die Volatilität bei Rohstoffpreisen sichert sich der Daimler-Konzern durch den Abschluss von Laufzeitverträgen ab, die kurzfristige Risiken für die Materialversorgung sowie Effekte aus den Preisschwankungen besser kalkulierbar machen. Darüber hinaus nutzt der Konzern in geringem Umfang für den Bezug bestimmter Metalle derivative Finanzinstrumente, die zweckgerichtet zur Reduzierung der Preisschwankungen eingesetzt werden.

Das Lieferantenrisikomanagement zielt darauf ab, mögliche finanzielle Engpässe bei Lieferanten frühzeitig zu erkennen und geeignete Abwehrmaßnahmen einzuleiten. Auch nach den zurückliegenden Krisenjahren ist die Situation bei einigen Lieferanten aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks weiterhin angespannt. Dies hat dazu geführt, dass einzelne oder gemeinschaftliche Unterstützungsmaßnahmen seitens der Fahrzeughersteller notwendig wurden, um deren Produktion und Absatz sicherzustellen. Im Rahmen des Lieferantenrisikomanagements werden in Abhängigkeit von erfassten Warnsignalen und der internen Einstufung regelmäßige Berichtstermine für Lieferanten vereinbart, an denen wichtige Leistungskennziffern an Daimler berichtet und bei Bedarf etwaige Stützungsmaßnahmen bestimmt werden.

Risiken und Chancen infolge gesetzlicher und politischer Rahmenbedingungen. Auch gesetzliche und politische Rahmenbedingungen haben einen nicht unerheblichen Einfluss auf den künftigen Geschäftserfolg von Daimler. Dabei spielen insbesondere die Emissions-, Verbrauchs- und Sicherheitsbestimmungen für Fahrzeuge eine wichtige Rolle. Um die vielfältigen und weltweit oftmals divergierenden Regelungen einzuhalten, sind erhebliche Anstrengungen seitens der Automobilindustrie erforderlich. Wir erwarten, dass wir in Zukunft einen noch höheren Anteil des Forschungs- und Entwicklungsbudgets für die Erfüllung dieser Anforderungen aufwenden werden. Die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten eines Risikos hat sich im Vergleich zum Vorjahr von »niedrig« auf »mittel« erhöht; das Ausmaß der Risiken wird unverändert als »hoch« eingeschätzt.

Viele Länder haben bereits strengere Regelungen zur Reduzierung von Emissions- und Verbrauchswerten von Fahrzeugen erlassen oder bringen entsprechende Gesetzesvorgaben aktuell auf den Weg.

Im Segment Mercedes-Benz Cars bestehen dabei insbesondere Risiken im chinesischen Markt. Die chinesischen Behörden haben für 2015 einen Flottendurchschnittsverbrauch von 6,9 l/100 km (ca. 160 g CO2/km) als durchschnittliches Indus-trieziel für Neuwagen definiert. Für den Zeitraum 2016 bis 2020 wurde das Gesetzgebungsverfahren noch nicht abgeschlossen. Bei einer Überschreitung der Flottenziele droht die Verweigerung der Neuzulassung von Fahrzeugen. Für das Jahr 2020 wurde ein neues, anspruchsvolles Ziel für die Industrie im Durchschnitt von 5,0 l/100 km (ca. 117 g CO2/km) durch den aktuellen Fünfjahresplan vorgegeben; die konkrete Ausgestaltung dieses Ziels ist in der letzten Phase des Gesetzgebungsprozesses.

Auch in der Europäischen Union bestehen anspruchsvolle Regelungen zum CO2-Ausstoß von Neufahrzeugen. Für 2015 wird nach einer Übergangszeit für die gesamte europäische Neufahrzeugflotte ein CO2-Flottendurchschnittswert von 129 g CO2/km vorgeschrieben. Der relevante Grenzwert für Daimler hängt vom Portfolio der von Daimler in der Europäischen Union verkauften Fahrzeuge ab und wird vom Gewicht der Fahrzeuge abgeleitet. Für 2020 ist ein CO2-Flottendurchschnittswert von 95 g CO2/km zu erreichen. Dies ist nach einjähriger Übergangsphase erstmalig im Jahr 2021 für 100 % der Flotte verbindlich. Bei einer Überschreitung der sich daraus ergebenden Daimler-Flotten-Zielwerte wären Abgaben zu zahlen. Zusätzlich besteht durch die geplante Ablösung des NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) durch die WLTP (Worldwide harmonized Long vehicles Test Procedures) eine Unsicherheit, da weder Einführungstermine noch sämtliche Randbedingungen des neuen Testzyklus noch eine Fortschreibung des Flottenzieles final festgelegt sind. Nach heutigem Kenntnisstand wird der WLTP die CO2-Zielerreichung ab 2020 erschweren.

In Deutschland gibt es zudem Überlegungen, die Besteuerung von Dienst-beziehungsweise Firmenwagen in Abhängigkeit von den Emissionen auszugestalten. Flottenkunden könnten dann auf kleinere, verbrauchsärmere Fahrzeuge ausweichen.

Die Treibhausgas-beziehungsweise Verbrauchsgesetzgebung in den USA sieht vor, dass die US-Neuwagenflotte im Jahr 2025 durchschnittlich nur noch 163 g CO2/Meile (circa 100 g CO2/km) emittieren darf. Diese neuen Vorgaben erfordern ab dem Modelljahr 2017 eine durchschnittliche Reduktion der CO2-Emissionen von jährlich 5 % bei den Pkw und anfänglich 3,5 % bei den SUVs und Pickups, für die damit bis 2022 ein etwas geringerer Anspannungsgrad gilt. Das trifft die deutschen Premiumhersteller und damit auch das Segment Mercedes-Benz Cars stärker als zum Beispiel die amerikanischen Hersteller. So können aufgrund einer weiterhin starken Nachfrage nach großen, leistungsstarken Motoren in den USA und auch in Kanada monetäre Strafen nicht ausgeschlossen werden.

In zahlreichen weiteren Ländern existieren ähnliche Gesetze oder sind derzeit in Vorbereitung, beispielsweise in Japan, Südkorea, Indien, Kanada, der Schweiz, Mexiko, Saudi-Arabien, Brasilien und Australien.

Daimler berücksichtigt diese Zielvorgaben in den Produktplanungen. Die zunehmend anspruchsvolleren Zielsetzungen erfordern signifikante Anteile von Plug-in-Hybriden oder anderen elektrifizierten Antrieben. Der Markterfolg dieser Antriebskonzepte wird maßgeblich vom regionalen Marktumfeld mitbestimmt, beispielsweise von der Ladeinfrastruktur und von Fördermaßnahmen. Da das Marktumfeld nicht sicher vorhergesagt werden kann, verbleibt ein Restrisiko.

Nach der EU-Richtlinie 2006/40/EG erhalten seit dem 1. Januar 2011 nur diejenigen Fahrzeuge eine Typgenehmigung, deren Klimaanlagen mit einem Kältemittel befüllt sind, das bestimmte Kriterien hinsichtlich Klimafreundlichkeit erfüllt. Für die Einführung in jedes Neufahrzeug sieht die Richtlinie einen Einführungszeitraum bis zum 31.Dezember 2016 vor. Mercedes-Benz Cars hatte für seine neuen Fahrzeugmodelle ursprünglich den frühestmöglichen Einsatz des entsprechenden Kältemittels (R1234yf) geplant und wollte daher diesen Übergangszeitraum nicht nutzen. Aufgrund der im Sommer 2012 von Mercedes-Benz Cars identifizierten Sicherheitsrisiken verwendet Daimler derzeit das neue Kältemittel nicht und arbeitet an der Entwicklung von sicheren Alternativen. Derzeit geht der Konzern nicht davon aus, dass sich hieraus wesentliche Auswirkungen auf die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage ergeben.

Strenge Regelungen zur Reduzierung von Emissions- und Verbrauchswerten von Fahrzeugen sind auch für das Geschäftsfeld Daimler Trucks mit Risiken behaftet. So sind für die schweren Nutzfahrzeuge in Japan im Jahr 2006 und in den USA im Jahr 2011 Gesetze zur Reduzierung von Treibhausgasen und Kraftstoffverbrauch verabschiedet worden. China hat einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der voraussichtlich ab 2015 auch die Exporte dorthin treffen wird und zusätzlichen Aufwand erfordert. Die Europäische Kommission arbeitet zurzeit an einem Messverfahren zur Erfassung des CO2-Ausstoßes von schweren Nutzfahrzeugen, das voraussichtlich ab 2017 anzuwenden sein wird. Wir müssen davon ausgehen, dass die gesetzlichen Vorgaben in einigen Ländern schwer zu erfüllen sein werden. Auch für die leichten Nutzfahrzeuge sind sehr anspruchsvolle CO2-Emissionsvorschriften geplant beziehungsweise beschlossen, die vor allem langfristig eine Herausforderung für das Geschäftsfeld Mercedes-Benz Vans, das im Wesentlichen das schwere Segment der N1-Fahrzeuge bedient, darstellen. So darf die europäische Flotte der N1-Fahrzeuge im Durchschnitt ab 2017 nicht mehr als 175 g CO2/km und ab 2020 nicht mehr als 147 g CO2/km emittieren, ansonsten können Strafzahlungen nicht ausgeschlossen werden.

Aufgrund seiner von jeher starken Fokussierung auf Fahrzeugsicherheit erwartet Daimler derzeit keine zusätzlichen Risiken aus den weltweit gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsvorschriften.

Zusätzlich zu Emissions-, Verbrauchs- und Sicherheitsbestimmungen nehmen in Städten und Ballungszentren der Europäischen Union und anderer Regionen der Welt verkehrspolitische Restriktionen zur Bekämpfung von Staus, Lärm und Emissionen an Bedeutung zu. Drastische Maßnahmen wie generelle Zulassungsbeschränkungen, beispielsweise in Peking, Guangzhou und Shanghai, werden zunehmend angewandt und können die Absatzentwicklung insbesondere in den Wachstumsmärkten dämpfen. In europäischen Städten erhöhen zunehmend Maßnahmen wie Einfuhrbeschränkungen und Straßenbenutzungsgebühren den Druck auf eine Reduzierung des Individualverkehrs. Daraus erwächst Nachfrage nach Mobilitätsdienstleistungen einschließlich Carsharing-Dienste. Um die sich daraus ergebenden Chancen zu nutzen, ist Daimler mit Mobility Services (unter anderem car2go, moovel) am Markt vertreten.

Daimler verfolgt ständig die Entwicklung der gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen und versucht, absehbare Anforderungen und langfristige Zielsetzungen frühzeitig im Produktentstehungsprozess zu antizipieren. Die große Herausforderung der nächsten Jahre wird sein, in jedem Markt das passende Antriebsportfolio und die passende Produktpalette anzubieten und dabei gleichzeitig Kundenwünsche, interne Wirtschaftlichkeitsziele und gesetzliche Vorgaben zu erfüllen. Bei einer optimalen Ausgestaltung von Portfolio und Markteinführungsstrategien können hieraus auch Wettbewerbsvorteile entstehen.

Darüber hinaus könnte die Position des Daimler-Konzerns in wichtigen ausländischen Märkten durch die Zunahme bilateraler Freihandelsabkommen beeinträchtigt werden, falls nicht die Europäische Union im Gegenzug gleichwertige Abkommen mit den entsprechenden Märkten abschließt.

Ferner besteht die Gefahr, dass einzelne Länder bei dem Versuch, ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt zu schützen oder zu verbessern, verstärkt zu interventionistischen und protektionistischen Maßnahmen greifen. Insbesondere in China und in den Märkten der Entwicklungs- und Schwellenländer stellen wir zunehmend Tendenzen fest, Importe zu begrenzen oder zumindest die Steigerungsraten abzuschwächen und mithilfe von industriepolitischen Maßnahmen Investitionen ins Land zu holen. Im Weiteren ist auch eine Tendenz zur Verschärfung des regulatorischen Umfelds im Allgemeinen und insbesondere auch im Wettbewerbsrecht zu beobachten.

Daimler hat die lokale Wertschöpfung erhöht, um sich den industriepolitischen Rahmenbedingungen anzupassen, und damit rechtzeitig die Weichen gestellt. Weiterhin ergeben sich aus der zunehmenden Marktnähe der Produktionsstandorte unter Berücksichtigung unter anderem logistischer Vorteile Chancen in der Potenzialausschöpfung der Märkte.

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