Unternehmensspezifische Risiken und Chancen

Im folgenden Abschnitt wird auf die unternehmensspezifischen Risiken und Chancen des Daimler-Konzerns eingegangen. Eine Quantifizierung dieser Risiken und Chancen ist in Tabelle B.56 dargestellt.

B.56

Unternehmensspezifische Risiken/Chancen
Risikokategorie Eintrittswahrscheinlichkeit Ausmaß Chancenkategorie Ausmaß
         
Produktions- und Technologierisiken niedrig hoch Produktions- und Technologiechancen
Informationstechnische Risiken niedrig mittel Informationstechnische Chancen
Personalrisiken mittel hoch Personalchancen
Risiken aus Beteiligungen/Kooperationen niedrig mittel Chancen aus Beteiligungen/Kooperationen niedrig

Produktions- und Technologierisiken und -chancen. Wesentliche Erfolgsfaktoren bei der Durchsetzung des gewünschten Preisniveaus für die Produkte des Daimler-Konzerns und folglich für die Erreichung der Unternehmensziele sind das Markenimage, das Design, die Qualität und damit die Kundenakzeptanz der erzeugten Produkte sowie technische Merkmale auf der Basis innovativer Forschung und Entwicklung. Überzeugende Lösungen, die zum Beispiel ein unfallfreies Fahren unterstützen oder das Verbrauchs- und Emissionsverhalten der Produkte weiter verbessern, wie Diesel-Hybrid- und Elektrofahrzeuge, sind für eine sichere und nachhaltige Mobilität von zentraler Bedeutung. Aufgrund der steigenden technischen Komplexität, des kontinuierlich wachsenden Umfangs an zu erfüllenden Emissions-, Verbrauchs- und Sicherheitsanforderungen und des Unternehmensanspruchs, die Qualitätsstandards des Daimler-Konzerns einzuhalten und stetig zu erhöhen, unterliegt die Erstellung der Produkte in den automobilen Geschäftsfeldern Produktions- und Technologierisiken.

Das Spannungsfeld aus Vorgaben, Komplexität und Qualität kann zu höheren Mitteleinsätzen und damit auch zu einer nachteiligen Wirkung auf die Profitabilität der automobilen Geschäftsfelder führen. Entsprechende Risiken sind beispielsweise Kosten von Entwicklungsleistungen, die später nicht direkt in ein Endprodukt einfließen könnten, falls die Lösung für den Kunden nicht optimal nutzbar wäre oder sich als nicht vermarktungsfähig erweisen würde.

Zudem ist die Neueinführung von Produkten in der Regel mit hohen Investitionen verbunden und kann in der Anlaufphase zu einer kurzfristigen Verringerung des Produktionsniveaus führen. Zur Erreichung des sehr hohen Qualitätsniveaus, eines der wesentlichen Entscheidungsmerkmale der Kunden für die Produkte des Daimler-Konzerns, ist es notwendig, dass Investitionen in neue Produkte und Technologien fließen, die teilweise über den eigentlich geplanten Umfang hinausgehen. Diese Kostenabweichung würde sich dann entsprechend auf die erwarteten Erträge bei der Einführung einer neuen Baureihe oder Produktgeneration auswirken. Hiervon sind die automobilen Geschäftsfelder betroffen, die aktuell ein Produkt einführen beziehungsweise eine Produkteinführung geplant haben, gegebenenfalls in Abhängigkeit von bestimmten regionalen Rahmenbedingungen.

Es besteht auch prinzipiell die Gefahr, dass aufgrund von Problemen oder Ausfällen bei Produktions- oder Fabrikanlagen das Produktionsniveau nicht auf dem geplanten Stand gehalten werden kann und folglich Kosten entstehen. Entsprechende Risiken bestehen vorrangig im Segment Mercedes-Benz Cars. Für die entsprechenden Anlagen werden präventiv Ersatzteile vorgehalten.

Zudem müssen Produktkomponenten zum richtigen Zeitpunkt verfügbar sein. Entsprechende Engpässe könnten auch durch Unterbrechungen in der Zulieferkette erzeugt werden. Zur Vermeidung von Engpasssituationen wird Wert darauf gelegt, dass die Produktionsanlagen regelmäßig gewartet werden und Kapazitätsengpässe durch vorausschauende Planung ausgeglichen werden können. Zudem werden im Rahmen des Managements der gesamten Wertschöpfungskette Zulieferwege sowie die Lieferbarkeit und Qualität von Produkten kontinuierlich überwacht. Über eine kontinuierliche Modernisierung der Produktionsanlagen sollen entsprechende Risiken vermieden werden.

Garantie- und Kulanzansprüche könnten auftreten, wenn die Qualität der Produkte der automobilen Geschäftsfelder nicht den Anforderungen der Kunden entspricht, eine Vorschrift nicht vollständig eingehalten wird oder die Unterstützung bei Problemen und der Pflege der Produkte nicht in der benötigten Form erfüllt werden kann. Der Daimler-Konzern arbeitet stetig und intensiv daran, die Produktgüte bei gleichzeitig wachsender Produktkomplexität auf einem sehr hohen Niveau zu halten, um die Gefahr von korrigierenden Maßnahmen am Endprodukt zu vermeiden und damit dem Kunden das bestmögliche Produkt zu liefern. Zudem sind im Daimler-Konzern Prozesse implementiert, die fortwährend die Kundenmeinung über getätigte Unterstützungsleistungen einholen, um das Serviceangebot und die Kundenzufriedenheit kontinuierlich zu verbessern.

Die Produktions- und Technologierisiken haben aufgrund präventiver Maßnahmen weiterhin eine geringe Eintrittswahrscheinlichkeit. Sie bewegen sich aber aufgrund der stetig hohen Anzahl an Produktneueinführungen bezogen auf das Ausmaß auf einem gleichbleibenden Niveau.

Innovationen und Technologiechancen zur fortschrittlichen und zukunftsfähigen Gestaltung der Produktpalette fließen in die strategische Produktplanung der automobilen Geschäftsfelder ein. Im Rahmen eines kontinuierlichen Prozesses wird stetig geprüft, ob das Produktionsniveau über Schichtmodelle, den weltweiten Produktionsverbund, Investitionsvorhaben oder eine Flexibilisierung der Produktionsanlagen erhöht werden kann. Die im Vorjahr berichteten Chancen und in diesem Zuge geplanten Maßnahmen zur Optimierung der Auslastung der Produktionskapazitäten wurden realisiert und wirken sich weiterhin positiv im Rahmen der Produktion aus.

Informationstechnische Risiken und Chancen. Bei der Abwicklung der Geschäftsprozesse spielt die Informationstechnologie eine entscheidende Rolle. Informationen aktuell, vollständig und korrekt vorzuhalten und auszutauschen ist für ein globales Unternehmen wie Daimler von zentraler Bedeutung. Hierfür müssen dem Schutzbedarf der Informationen entsprechend gesicherte IT-Systeme und eine zuverlässige IT-Infrastruktur betrieben werden. Risiken, die im Schadensfall eine Unterbrechung der Geschäftsprozesse aufgrund von IT-System-Ausfällen zur Folge haben oder den Verlust und die Verfälschung von Daten verursachen könnten, werden deshalb über den gesamten Lebenszyklus der Applikationen und IT-Systeme hinweg identifiziert und bewertet. Daimler hat geeignete Maßnahmen definiert, damit Risiken vermieden oder mögliche Schäden begrenzt werden können. Diese Maßnahmen werden laufend an die sich verändernden Umstände angepasst. Zum Beispiel minimiert der Konzern potenzielle Störungen der betrieblichen Abläufe in den Rechenzentren durch Maßnahmen wie gespiegelte Datenbestände, dezentrale Datenhaltung, ausgelagerte Archivierung, Hochverfügbarkeitsrechner sowie entsprechende Notfallpläne. Ein IT Security Operations Center koordiniert potenzielle Gefährdungen durch Cyber-Kriminalität und Hacker-Angriffe. Den wachsenden Anforderungen an Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit der Daten begegnet Daimler mit vielfältigen präventiven und korrektiven Maßnahmen. Trotz aller Vorkehrungen können Störungen in der Informationstechnologie und dadurch negative Auswirkungen auf die Geschäftsprozesse nicht vollständig ausgeschlossen werden. Ausmaß und Eintrittswahrscheinlichkeit der IT-Risiken sind im Vergleich zum Vorjahr unverändert.

Personalrisiken und -chancen. Der Erfolg des Daimler-Konzerns ist wesentlich von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und deren Know-how abhängig. Täglich bringen sie sich mit ihren Vorstellungen und Ideen in die jeweiligen Tätigkeiten und Arbeitsprozesse ein und tragen damit wesentlich zu Verbesserungen und Innovationen bei.

Zur Unterstützung dieser Prozesse hat der Daimler-Konzern ein Ideenmanagement etabliert, über das Verbesserungsvorschläge und Ideen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingebracht werden können. Die zielgerichtete Verarbeitung der eingehenden Informationen in das betriebliche Vorschlagswesen und die Übernahme geeigneter Ideen in einen Bewertungsprozess durch Gutachter und Prozesseigner wird über das etablierte IT-System »idee.com« unterstützt. Hierdurch soll eine systematische und dauerhafte Förderung von Ideen und Verbesserungsvorschlägen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolgen.

Zudem schaffen Arbeitsgruppen Prozesse und Instrumente, die neue Geschäftsideen erzeugen und die bereichsübergreifende Zusammenarbeit etablieren. Im Themenfeld Business Innovation besteht in diesem Zusammenhang eine Online-Community, in der Vorschläge zur Diskussion gebracht werden, die alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewerten und weiterentwickeln können.

Der Wettbewerb um hoch qualifizierte Mitarbeiter und Führungskräfte ist in der Branche und in den Regionen, in denen Daimler tätig ist, jedoch nach wie vor sehr stark. Der künftige Erfolg hängt auch davon ab, inwiefern es gelingt, Führungskräfte, Ingenieure und anderes Fachpersonal einzustellen, zu integrieren und dauerhaft an das Unternehmen zu binden. Die etablierten Personalinstrumente berücksichtigen solche bestehenden Personalrisiken, tragen zu einer gezielten Nachwuchs- und Know-how-Sicherung bei und stellen gleichzeitig die Transparenz über die Ressourcen sicher. Ein Schwerpunkt des Personalmanagements liegt in der zielgerichteten Personalentwicklung und Weiterbildung der Belegschaft des Unternehmens. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren dabei unter anderem von den Angeboten der Daimler Corporate Academy und der Transparenz, die durch das weltweit einheitliche Performance- und Potenzialmanagementsystem LEAD geschaffen wird. Die demografische Entwicklung zwingt das Unternehmen zudem, mit den Veränderungen durch eine älter werdende Belegschaft umzugehen und einen qualifizierten Fach- und Führungskräftenachwuchs zu sichern. Dies wird durch Maßnahmen im Generationenmanagement adressiert. Eine segmentierte Beurteilung des Personalrisikos wird nicht vorgenommen, da sich die beschriebenen Risiken nicht fokussiert auf ein bestimmtes Geschäftssegment beziehen, sondern segmentübergreifende Gültigkeit haben. Bei Eintritt des Risikos ist abhängig von der Tragweite der Personalengpässe mit einer Einflussnahme auf die unternehmerische Tätigkeit und folglich auch auf das Ergebnis des Daimler-Konzerns zu rechnen. Die Kategorie der Personalrisiken steigt aufgrund anstehender Tarifverhandlungen im Vergleich zum Vorjahr in Ausmaß und Eintrittswahrscheinlichkeit.

Risiken und Chancen aus Beteiligungen und Kooperationen. Die Zusammenarbeit mit Partnern in Beteiligungen (assoziierten Unternehmen, Gemeinschaftsunternehmen und gemeinschaftlichen Tätigkeiten) und Kooperationen ist für Daimler von zentraler Bedeutung. Neben einem besseren Zugang zu Wachstumsmärkten und neuen Technologien dienen die Beteiligungen und Kooperationen der Nutzung von Synergieeffekten und der Verbesserung von Kostenstrukturen, um dem Wettbewerbsdruck in der Automobilindustrie erfolgreich zu begegnen.

An den Risiken und Chancen der Beteiligungen partizipiert der Daimler-Konzern grundsätzlich entsprechend seiner jeweiligen Anteilsquote. Die möglichen Risiken umfassen unter anderem negative wirtschaftliche Entwicklungen oder einen zeitlich verzögerten Aufbau von Entwicklungs- und Produktionsstrukturen bei den Beteiligungen und Kooperationen, wodurch die Wachstumsziele der betroffenen Segmente beeinträchtigt werden könnten. Risiken bei Beteiligungen bestehen bei den Segmenten Mercedes-Benz Cars, Daimler Trucks sowie Mercedes-Benz Vans. Diese unterliegen einem kontinuierlichen Überwachungsprozess, um die Beteiligungen bei Bedarf zeitnah zu unterstützen und deren Profitabilität sicherzustellen. Auch die Werthaltigkeit der Investitionen wird laufend überwacht.

Insbesondere der Aufbau von Produktionskapazitäten und der Erwerb von Beteiligungen auf dem chinesischen Markt sind aufgrund der unsicheren Marktentwicklung risikobehaftet. Zur Steuerung dortiger Qualitätsrisiken dient die Etablierung effizienter Produktionsprozesse. Zudem müssen Abhängigkeiten zwischen Vertragspartnern sowie mögliche Veränderungen der politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen in China in die lokalen Entscheidungsprozesse miteinbezogen werden. Aufgrund der angespannten Situation in Russland und der Ukraine widmet sich der Daimler-Konzern betroffenen Beteiligungen und Kooperationen ebenfalls mit erhöhter Aufmerksamkeit.

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